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Laurenz Meyer, Thomas Goppel, Johannes Rau, Guido Westerwelle
und Jürgen Trittin - ihnen allen gebührt Dank, sogar dem unbekannten Skinhead,
auch wenn der eine oder andere polemische Unterton die nationale Debatte
über den Stolz vielleicht womöglich ein wenig eintrübt.
Wenn nur ein Ruck durch dieses Land geht!
Kein Geringerer als Ernst Bloch prophezeite vor mehr als einem halben Jahrhundert
in seinem "Prinzip Hoffnung":
»Hat er (der Deutsche) sich erfasst und das Sein ohne Entäußerung und Entfremdung
in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen
in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.«
Nun ist sie begründet, die reale Demokratie, nach Bonn auch in Berlin,
nur noch erfasst will es sein.
Daran mochte, ganz unabhängig von seiner politischen Couleur, der Mensch
Meyer erinnern.
Muss denn, bei allem Widerspruch im Detail, nicht auch Jürgen Trittin zugestehen,
dass er Heimat fand - in der Gesellschaft ebenso wie im Kabinett? Ein Grund
stolz zu sein. I
have a dream!
Ein Traum, der in die Kindheit schien und wahr wurde: Für den Kanzler ebenso
wie für den Außenminister und den Umweltminister. Wer aus der eigenen Familie
hatte es je so weit gebracht?
Gewiß, Schröders Vater schnupperte als Kranfahrer Höhenluft, Fischers Großonkel
mütterlicherseits soll sogar einem alten, ungarischen Adelsgeschlecht entstammen
und ein Urahn Trittins war, wie es heißt, ein angesehener Stadtmusikant.
Aber so ganz oben, so weit oben war bis dahin noch keiner.
Nur der Großvater von Johannes Rau seine Frau war auch schon Bundespräsident.
»Thank God Almighty, we are free at last!«
Aber muss man wirklich weit oben stehen, um stolz sein zu können?
Lothar
Vosseler, der halbe Kanzlerbruder, zeigt, dass man auch unten stolz
sein kann, genauer gesagt: beim Inspizieren von Abwasserkanälen.
Ein Mann ohne Kaschmir und Brioni, aber dafür mit einem »bunten Strauß Menschlichkeit«.
David Hume erkannte schon 1739 in seinem »Traktat
über die menschliche Natur«, dass Stolz doch zuallererst ein »angenehmer
Eindruck im Gemüt« ist - verbunden mit dem Besitz von etwas, was andere
auch gerne hätten, aber nicht haben, zum Beispiel auch, ja, einen bunten
Strauß Menschlichkeit.
Was ist dagegen einzuwenden?
Dies war doch die mitmenschliche Mission eines Ernst Bloch oder der Frankfurter
Schule, um nur einige zu nennen.
Jeder, ausnahmslos jeder hat irgendwo und irgendwie Grund stolz zu sein.
Wie verwandelt wäre unser Land, wenn sich diese Einsicht durchsetzte!
Überall Menschen, die aufrechten Ganges durchs Leben gehen, nicht geduckt
und verschämt.
»Ich bin stolz, ein Freund von Gerd Knebel zu sein, der seinerseits Matthias
Beltz gut kennt, der damals in Frankfurt gemeinsam mit dem Vizekanzler
Polizisten verprügelte.« Oder:
»Ich bin stolz, dass Helmut Kohl meinen Namen nicht nennt, weil er mir
sein Ehrenwort gab.« Oder:
»Ich bin stolz, dass mir Zladko Trpkovsky vor 6 Monaten aus 10 Metern
Entfernung freundlich zuwinkte.«
Lassen wir daher dem anderen seinen Stolz, ganz im Sinne des bekannten
Sachbuch-Autors Thomas A. Harris: »Ich
bin stolz - Du bist stolz«.
Auch nationalstolz, pourquoi pas?
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