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Brutale PC-Spiele (Studie)
Interview mit Gewaltforscher
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Schulmassaker in Littleton
Die Welt: Amoklauf in Erfurt
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FT: Gewalt ist cool geworden
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Halloween: Michael W. mordet
Halloween in Augsburg
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Polizeibericht Erfurt
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Ballerspiele in den Müll
Anleitung Counterstrike?
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Schulmassaker in Littleton
Schule und Globalisierung
Aum: Terror in Tokio
Das Massaker von Littleton
ZDF: Littleton
SPIEGEL: Die Gespenster von Littleton
Das Massaker in der Columbine High School
TIME: The Columbine Tapes
DOOM schuld am Schulmassaker?
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Wieder einmal Tage, an denen
sich Humor, auch der schwarze, verbietet. Als Satiriker muss man die Umschulung
ins todernste Fach ins Auge fassen. Wenn das so weitergeht.
Denken die Todesflieger, Suizidbomber und
Amokläufer an die kulturellen Kollateralschäden ihrer Taten, daran dass
Menschen wie Stefan
Raab, Harald
Schmidt, Anke
Engelke, Ingolf
Lück, Michael
Mittermaier, Hella
von Sinnen und wie sie noch alle heißen mögen, um ihre berufliche
Existenz bangen müssen?
Dumme Frage, natürlich denken Sie daran
als Allerletztes, oder nein, sie wünschen ja, dass, wenn wir überhaupt
noch etwas zum Lachen haben, uns das Lachen im Halse stecken bleibt.
Aber keine Sorge: Wie sagte doch der damalige
IOC-Präsident Avery Brundage nach dem Massaker während der Olympiade in
München: »The
games must go on«.
Und so heißt für die Spaßmacher die Devise
entsprechend: »The gags must go on.«
Es braucht nur eine gewisse zeitliche Distanz,
eine Schamfrist, wenige Tage, dann beginnt der oftmals preisverdächtige
Leichenschmaus und die Verdauung des Unverdaulichen. Vorausgesetzt, wir
selbst sind nicht betroffen, weder unmittelbar noch mittelbar. Das horrende
Ereignis wird nicht nur politisch instrumentalisiert, sondern unter anderem
auch humoristisch fermentiert. Humor ist eben, wenn man trotzdem lacht.
Etwa über das gefälschte
Foto, das einen jungen Touristen auf dem Dach des World Trade Center
zeigt - und die entführte American Airlines im Anflug.
Auch der Amoklauf
des Robert Steinhäuser in Erfurt hat eine wahnwitzige Seite. Da besinnt
sich der junge Mann nach seinem Massenmord wieder auf zivile Umgangformen
und spricht seinen früheren Geschichtslehrer Heise korrekt an - als habe
er nur einen Pennälerstreich verübt. »Für
heute reicht's, Herr Heise«.
Und Held
Heise ist umgekehrt so höflich, dem Killer noch seine abgelegte Waffe
zurückzugeben, bevor er ihn in einem Klassenzimmer einsperrt. Wenn der
Geschichtslehrer die Geschichte, Auge in Auge mit dem Mörder, nur nicht
(halb) erfunden hat, pulp fiction statt Heldentat.
Und wer hätte in Deutschland
erwartet, dass nach dem Terroranschlag vom 11. September der nächste inländische
Terroranschlag nicht von islamistischen Extremisten verübt würde, sondern
von einem gescheiterten Gymnasiasten aus Thüringen? Der hatte seine militärische
Grundausbildung statt in afghanischen Camps in örtlichen Schützenvereinen
erhalten. Nur die Nutzung moderner Computerspiele verband den frustrierten
Thüringer mit den fanatisierten Terroristen: Diese bereiteten sich mit
dem Flugsimulator von Microsoft vor, während sich Robert Steinhäuser mit
Counterstrike und Quake
für sein Massaker einübte.
Eine irritierende Vorstellung für viele
Eltern, denen aus Kinderzimmern das Geballer von Computer- und Videospielen
an die Ohren dringt. Lernt der Junge am Computer für die Schule oder für
das Leben, oder agiert er eine latente Mordlust aus, trainiert er das
Töten?
Für Staatsschützer und Polizeibehörden eröffnet
sich neben dem politisch-religiös motivierten Terrorismus quer durch bundesdeutsche
Kinder- und Jugendzimmer eine zweite Front, die eine eigene Rasterfahndung
nötig macht.
Spielt der Sprössling Quake, Doom,
Counterstrike
oder Ähnliches? Ist er ein Fan von Schwarzeneggers Terminator und
von düsteren Fäkal-Fascho-Bands?
Kloppt er gerne zynische Nazi-Sprüche? Ist er ein verschlossener Schulversager?
Denkt er bei Matrix
eher an Massaker als an Mathematik?
Wenn das und mehr zusammenkommt, müssten
die Alarmglocken schrillen, vor allem für Eltern, die abends nicht sicher
sind, ob ihr Junge schon schläft oder sich nur als Schläfer tarnt. Die
beruhigende elterliche Gewissheit, dass sich der Nachwuchs beim gebannten
Starren auf Bildschirmblutbäder nur auf zeitgemäße Weise »unterhält«,
am Besten als Teil einer johlenden Gruppe gleich gesinnter Kids - hey,
cool Mann, kuck mal wie die Eingeweide rausquellen - diese Gewissheit
könnte einer gewissen Beunruhigung weichen.
Zeit, dem Buben bei solchen Vergnügungen
Einhalt zu gebieten: Für heute reichts, Robert!
PS: »Ein Amoklauf als
Zeichen des Protestes wahrt sicher nicht mehr die Verhältnismäßigkeit
der Mittel.« Dies war der letzte Satz in unserer letzten
Kolumne. Wir möchten darauf hinweisen, dass der schockierende Amoklauf
in Erfurt trotz einer unguten Ahnung auch für uns völlig überraschend
geschah. |
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